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Ein Wiener zum Quadrat: das “Wiener” in der Herrmanngasse

04.02.2011 | Keine Kommentare

Man hat es schwer, wenn man ein Lokal betreibt, das in der Herrmanngasse im 7. Bezirk liegt und es nicht „Grünauer“ heißt. Denn man hat einen unter Feinschmeckern übermächtigen Mitbewerber in der Distanz von rund elf Metern zum eigenen Eingang. Ob diese Überlegung beim Betreiber des „Wiener“ eine Rolle gespielt hat, oder gar eine freiwillig gesuchte Herausforderung war, ist uns nicht bekannt. Zu oft sind wir aber mittlerweile am „Wiener“ vorbeispaziert, dem wollten wir ein Ende setzen.

Alsdann sitzen wir kürzlich in einem stimmungsvollen Beisel, das vom Interieur durchaus gelungen ist. Dunkle Holzböden, dunkle Täfelung, gedimmtes Licht und Kerzenschein, das gefällt uns. Zudem haben wir selten eine Bar der Kategorie „Aluminium-gebürstet“ gesehen, die nicht an eine Großküche erinnert, sondern als durchaus passender Akzent wahrgenommen wird.

Das Speisenangebot besteht vorrangig aus Wiener Küche, teilweise mit Ausflügen in andere Regionen: Die Kürbiscremesuppe mit Grissini und Rohschinken um € 4,60 war ordentlich und schön angerichtet zudem. Hinzu gesellte sich für den Hauptgang ein Triester Gulasch mit Polenta (€ 15), das man auch als gut gelungen bezeichnen kann. Der ebenfalls bestellte Caesar Salad (€ 11) sowie das Steinpilz-Risotto (€13) waren solide, aber - vielleicht auch in Anbetracht der Jahreszeit - nicht die Highlights des Abends. Dieses hatte vielmehr ein Herz aus Schokolade, denn anders kann man den köstlichen Schokoladekuchen mit flüssiger Füllung kaum beschreiben. Zwar ruinierte dieser die ohnehin lausige Kalorienbilanz des Tages, es war aber an diesem Punkt auch schon egal. Das frische Obst der Garnitur musste also das Gewissen befriedigen.

Die Preise befinden sich in Anbetracht des nicht gänzlich unkonventionellen Angebotes des Restaurants am oberen Ende der Skala - das Kalbswiener um € 19,5 oder der Tafelspitz um € 18.0 sind etwas ambitioniert und übertreffen damit fast jene des wenige Meter entfernten Lokalmatadors.

Die Weinauswahl auf der Karte hätte etwas üppiger sein können, man bekommt aber v.a. bei den offenen Weinen gute Qualität geboten. Wir haben einen Wiener Gemischten Satz, Nussberg-Classic, Rotes Haus am Nussberg um €3,60 und einen Cabernet vom Scheibelhofer um €4,00 verkostet. Das passt. Zwei Worte an dieser Stelle noch zum Service: Flott und freundlich, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Etwas schade fanden wir die Aufteilung zwischen dem Raucher und dem Nichtraucher-Bereich, da die Raucher den großen Bar-Bereich einnehmen und die etwas abgelegenen Räume links und rechts der Bar den Nichtrauchern vorbehalten sind. Auch die Garderobe (wenn man schon eine hat) könnte man vielleicht im Nichtraucher-Bereich ansiedeln, dann leidet der Geruch der Jacke nicht. Bestnoten gibt es übrigens in der „Porzellanwertung“ aka Toilette, weil nagelneu.

Wir resümieren: Das „Wiener“ erscheint uns als gutes und mit Sicherheit liebevoll geführtes Lokal, das durchaus einen Besuch wert ist. Man fühlt sich hier bei Freunden ums Eck und wer Lust auf eine unkomplizierte, schnörkellose aber trotzdem solide Kost hat, ist hier gut aufgehoben. Das etwas höhere Preisniveau sollte man dabei nicht scheuen.

Eine Bildergalerie zum „Wiener“ findet Ihr auf www.lokalaugenschein.com

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